4. Der Neubau

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In unseren Werkstätten in St. Gallen und Bern sind wir weiterhin zu den gewohnten Öffnungszeiten am Arbeiten. Unsere Ladengeschäfte sind, ausser für Abholungen, geschlossen. Bitte kontaktieren Sie uns für Fragen oder Bestellungen aller Art telefonisch unter 071 222 27 16 (St. Gallen) oder 031 311 38 39 (Bern) oder per E-Mail (sprenger@geigen.ch / bern@geigen.ch).

Über Jahrhunderte hinweg hat sich die Werkstatt des Geigenbauers kaum verändert. Es sind zum größten Teil noch dieselben Werkzeuge wie bei den alten Meistern: Hobelbank, Sägen, große und kleine Hobel sowie Holzmeißel wie sie auch in der Bildhauerei verwendet werden. Außerdem Ziehklingen und Schablonen, auch verschiedene Pinsel für die Lackierung und dann vor allem verschieden große Schnitzmesser. Noch heute werden bei Sprenger Geigenbau Werkzeuge verwendet, mit denen schon der Gründer Fritz Sprenger gearbeitet hat.

Beim Geigenbau ist das Holz das wichtigste Material und ebenso wichtig ist eine sorgfältige Auswahl, um die bestmögliche Klangqualität zu erreichen. Ein Holz, das beispielsweise in seinem spezifischen Gewicht zu schwer ist, kann trotz der schönsten optischen Wirkung ein Versager sein. Daran scheitert auch die im Geigenbau vorhandene Massenproduktion, die schablonenhaft arbeitet, heute zum Teil mit modernsten, computergesteuerten Maschinen. Dies jedoch ohne die geringste Rücksicht auf das verwendete Material. Deshalb kann die Massenproduktion diesem wesentlichen Anspruch nie gerecht werden, denn es gibt keine zwei Stücke Holz, welche die gleiche Bearbeitung erfordern. Selbst wenn das Holz vom selben Stamm geschnitten wird, sind die einzelnen Stücke sehr unterschiedlich. Zum Beispiel ist das Holz am unteren Teil des Stammes in der Regel härter als oben, die der Sonnenseite zugewendeten Partien sind anders als die im Schatten gewachsenen.

Die beiden im Geigenbau gebräuchlichsten Hölzer sind das Tannenholz für die Decke (meistens wird dafür Rottanne verwendet) und das Ahornholz für den Boden, die Zargen und die Schnecke. Das Griffbrett besteht aus Ebenholz, einem sehr harten tiefschwarzen Holz. Wirbel und Saitenhalter sind meist aus Ebenholz, Palisander oder Buchsbaum.

Der schönste Ahorn kommt aus Bosnien, das geeignetste Tannenholz stammt aus den Alpenländern und wächst in einer Höhenlage von etwa 1000 m. Ebenholz wächst in Afrika und stammt vom Baum der Dattelpflaume.

Die gebräuchlichste Bauart ist der Bau mit einer so genannten Innenform. Auf diese Form werden die Zargen angepasst. Die Zargen, welche eine Dicke von etwa 1-1,4 mm haben, werden am so genannten Biegeeisen gebogen. Danach werden sie an den Ober- und Unterklötzen, sowie an den Eckklötzen fest geleimt. Boden und Decke werden mit dem genauen Umriss ausgesägt. Dies alles geschieht nach der genauen Vorlage der zusammenpassenden Schablonen. Die Schablonen können von einem anderen Instrument abgenommen sein, zum Beispiel einer Geige von Stradivari oder Guarneri und werden dann vielleicht noch mit einer kleinen, persönlichen Eigenart ein wenig verändert. Die ausgeschnittene Decke und der Boden werden dann abgewölbt.

Außer der Zargen wird also nichts gebogen oder gepresst, alles wird aus einem massiven Stück Holz gearbeitet. Ist die Außenwölbung fertig werden Boden und Decke innen ausgearbeitet. Boden und Decke sind nicht überall gleich dick. Die Stärken bewegen sich zwischen ca. 2,5 und 4,5 mm. Hier muss sich der Geigenbauer sehr nach der Beschaffenheit des Holzes richten. Nachdem der Boden fertig abgewölbt und ausgearbeitet ist, wird er auf den Zargenkranz geleimt. In die Decke werden noch die F-Löcher geschnitten sowie der Bassbalken eingepasst und eingeklebt. Auch bei der Form der F-Löcher richtet sich der Geigenbauer wieder nach den klassischen Vorbildern, vielleicht wieder mit einer persönlichen Eigenart. Nachdem zuerst die Innenform herausgelöst wurde, wird die Decke auf den Zargenkranz geleimt. Boden und Decke werden dann mit den Einlagen versehen und die Ränder werden fertig abgerundet. Damit ist der so genannte Korpus des Instrumentes fertig.

Aus Ahornholz, das wenn möglich natürlich zum Boden und zu den Zargen passt, wird die Schnecke gestochen. Ist die Schnecke und der so genannte Wirbelkasten fertig gearbeitet, wird das Griffbrett auf den Hals gepasst. Danach wird der fertige Hals in den Korpus eingepasst. Dies ist wieder eine Arbeit die äußerst genau ausgeführt werden muss, weil sie sowohl auf die technische Spielbarkeit, als auch auf den Klang einen großen Einfluss hat. Jetzt ist das weiße Instrument fertig. Es fehlt somit nur noch das Lackkleid.